Restless Legs Syndrom – Wenn die Beine nachts keine Ruhe geben
Sie liegen im Bett, sind müde und möchten endlich einschlafen. Doch kaum kommen Sie zur Ruhe, beginnt ein unangenehmes Kribbeln, Ziehen oder Brennen in den Beinen. Der Drang, die Beine zu bewegen, wird immer stärker. Erst wenn Sie aufstehen oder umherlaufen, lassen die Beschwerden nach – zumindest vorübergehend.
Kommt Ihnen das bekannt vor?
Dann könnte das Restless Legs Syndrom (RLS) dahinterstecken. Die Erkrankung gehört zu den häufigsten neurologischen Ursachen für Schlafstörungen und betrifft Millionen Menschen. Dennoch bleibt sie häufig lange unerkannt oder wird mit Muskelproblemen, Nervosität oder Stress verwechselt.
In diesem Ratgeber erfahren Sie, was das Restless Legs Syndrom ist, welche Ursachen infrage kommen, wie die Diagnose gestellt wird und welche Behandlungsmöglichkeiten sowie Alltagstipps helfen können.
Was ist das Restless Legs Syndrom?
Das Restless Legs Syndrom (kurz RLS) ist eine neurologische Erkrankung. Der Name bedeutet übersetzt „Syndrom der unruhigen Beine“.
Kennzeichnend ist ein starker Bewegungsdrang der Beine, häufig begleitet von unangenehmen Empfindungen wie:
- Kribbeln
- Ziehen
- Brennen
- Stechen
- Spannungsgefühl
- Ameisenlaufen
- elektrisierendes Gefühl
Die Beschwerden treten vor allem in Ruhe auf – beispielsweise beim Sitzen, Fernsehen oder kurz vor dem Einschlafen. Bewegung verschafft meist kurzfristige Linderung.
Viele Betroffene beschreiben das Gefühl als schwer in Worte zu fassen. Es handelt sich nicht um klassische Schmerzen, sondern um einen tief sitzenden Bewegungsdrang, der das Stillhalten nahezu unmöglich macht.
Wie häufig ist das Restless Legs Syndrom?
Schätzungen zufolge leiden etwa 5 bis 10 Prozent der Erwachsenen in Deutschland unter einem Restless Legs Syndrom. Frauen sind häufiger betroffen als Männer. Besonders mit zunehmendem Alter nimmt die Häufigkeit zu.
Allerdings können auch jüngere Erwachsene und in seltenen Fällen sogar Kinder betroffen sein.
Viele Menschen erhalten die richtige Diagnose erst nach Jahren, da die Beschwerden anfangs nur gelegentlich auftreten oder anderen Ursachen zugeschrieben werden.
Typische Symptome
Das Restless Legs Syndrom macht sich häufig durch folgende Beschwerden bemerkbar:
- starker Bewegungsdrang in den Beinen
- Kribbeln oder Ziehen
- Brennen oder Stechen
- Spannungsgefühl
- Unruhe in den Beinen
- Beschwerden vor allem am Abend oder in der Nacht
- Linderung durch Bewegung
- Schwierigkeiten beim Einschlafen
- häufiges nächtliches Aufwachen
- Tagesmüdigkeit
- Konzentrationsprobleme
Die Symptome treten meist beidseitig auf, können jedoch anfangs auch nur ein Bein betreffen.
In schweren Fällen können sogar Arme oder andere Körperregionen betroffen sein.
Warum treten die Beschwerden hauptsächlich abends auf?
Viele Betroffene wundern sich, warum die Symptome tagsüber kaum vorhanden sind, abends jedoch deutlich stärker werden.
Der Grund liegt vermutlich im Zusammenspiel verschiedener biologischer Prozesse.
Das Nervensystem arbeitet nachts anders als am Tag. Gleichzeitig verändert sich der Hormonhaushalt, die Körpertemperatur sinkt und bestimmte Botenstoffe im Gehirn werden anders reguliert.
Dadurch werden die Beschwerden häufig genau dann stärker, wenn der Körper eigentlich zur Ruhe kommen möchte.
Ursachen des Restless Legs Syndroms
Die genauen Ursachen sind bis heute nicht vollständig geklärt.
Forschende gehen davon aus, dass mehrere Faktoren zusammenwirken.
Veränderungen im Dopamin-Stoffwechsel
Eine wichtige Rolle spielt vermutlich der Botenstoff Dopamin.
Dopamin steuert unter anderem Bewegungsabläufe. Ist seine Funktion gestört, kann dies den typischen Bewegungsdrang auslösen.
Aus diesem Grund sprechen viele Betroffene gut auf Medikamente an, die den Dopaminhaushalt beeinflussen.
Eisenmangel
Ein Eisenmangel zählt zu den häufigsten behandelbaren Ursachen oder Verstärkern eines Restless Legs Syndroms.
Eisen wird für verschiedene Prozesse im Gehirn benötigt – unter anderem für den Dopaminstoffwechsel.
Deshalb gehört die Kontrolle des Eisenstatus häufig zur ärztlichen Abklärung.
Besonders wichtig ist dabei nicht nur der Hämoglobinwert, sondern auch der Ferritinwert, der Aufschluss über die Eisenspeicher gibt.
Vererbung
In vielen Familien tritt das Restless Legs Syndrom gehäuft auf.
Sind Eltern oder Geschwister betroffen, steigt das eigene Risiko.
Forscher haben bereits mehrere Genveränderungen identifiziert, die mit RLS in Zusammenhang stehen könnten.
Schwangerschaft
Vor allem im letzten Schwangerschaftsdrittel entwickeln manche Frauen erstmals typische Beschwerden.
Mögliche Ursachen sind:
- Eisenmangel
- hormonelle Veränderungen
- veränderter Stoffwechsel
In vielen Fällen verschwinden die Symptome nach der Geburt wieder.
Chronische Erkrankungen
RLS kann auch im Zusammenhang mit anderen Erkrankungen auftreten.
Dazu gehören unter anderem:
- Diabetes mellitus
- Nierenerkrankungen
- Parkinson
- Polyneuropathien
- rheumatische Erkrankungen
Deshalb sollte bei neu auftretenden Beschwerden immer eine medizinische Abklärung erfolgen.
Faktoren, die Beschwerden verstärken können
Viele Betroffene beobachten, dass bestimmte Auslöser die Symptome verschlimmern.
Dazu zählen beispielsweise:
- Schlafmangel
- Stress
- Alkohol
- Nikotin
- Koffein am Abend
- langes Sitzen
- Bewegungsmangel
Auch manche Medikamente können Beschwerden verstärken.
Dazu gehören unter anderem bestimmte Antidepressiva, Antihistaminika oder Medikamente gegen Übelkeit. Änderungen an der Medikation sollten jedoch niemals eigenständig vorgenommen werden, sondern immer mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt besprochen werden.
Welche Auswirkungen hat RLS auf den Schlaf?
Das Restless Legs Syndrom zählt zu den häufigsten Ursachen chronischer Schlafstörungen.
Viele Betroffene berichten, dass sie trotz großer Müdigkeit nicht einschlafen können.
Andere schlafen zunächst ein, wachen jedoch immer wieder auf, weil die Beschwerden erneut auftreten.
Langfristig kann dies zu:
- starker Tagesmüdigkeit
- Konzentrationsproblemen
- Gereiztheit
- Leistungseinbußen
- verminderter Lebensqualität
führen.
Hinzu kommt, dass Schlafmangel wiederum die Beschwerden verstärken kann – ein Kreislauf, der ohne Behandlung schwer zu durchbrechen ist.

Fazit
Das Restless Legs Syndrom ist weit mehr als nur „unruhige Beine“. Für viele Betroffene bedeutet es schlaflose Nächte, anhaltende Müdigkeit und eine deutliche Einschränkung der Lebensqualität. Der starke Bewegungsdrang, das Kribbeln oder Ziehen in den Beinen treten meist genau dann auf, wenn der Körper eigentlich zur Ruhe kommen möchte – und können das Ein- und Durchschlafen erheblich erschweren.
Die gute Nachricht ist: RLS lässt sich in vielen Fällen erfolgreich behandeln oder zumindest deutlich lindern. Wichtig ist, die Beschwerden ernst zu nehmen und ihre Ursachen ärztlich abklären zu lassen. Ein Eisenmangel, bestimmte Grunderkrankungen oder Medikamente können die Symptome verstärken und sollten gezielt berücksichtigt werden.
Neben einer individuell angepassten medizinischen Behandlung können auch regelmäßige Bewegung, eine ausgewogene Ernährung, eine gute Schlafhygiene sowie der Verzicht auf Alkohol, Nikotin und übermäßigen Koffeinkonsum am Abend dazu beitragen, die Beschwerden zu reduzieren.
Wenn Sie den Verdacht haben, am Restless Legs Syndrom zu leiden, zögern Sie nicht, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Je früher die richtige Diagnose gestellt wird, desto besser lassen sich die Beschwerden behandeln – und desto größer ist die Chance auf wieder erholsame Nächte und mehr Lebensqualität.
Denken Sie daran: Erholsamer Schlaf ist kein Luxus, sondern eine wichtige Grundlage für Ihre körperliche und seelische Gesundheit. Wer die Ursachen seiner Schlafprobleme kennt und gezielt angeht, macht den ersten Schritt zu ruhigeren Nächten und einem erholteren Alltag.